15.6. – 21.6.2024
Der Frühling lässt sein blaues Band durch die Lüfte flattern. Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land. Ja! Der Frühling ist die Zeit des Begehrens, des Aufbruchs, alles steht im Zeichen des wiederkehrenden Lebens, gewaltig und unaufhaltsam bahnt es sich seinen Weg. Auf dem Campo Imperatore (Kaiserliches Feld) kehren die Pferde zurück, Sumpfvögel klingen das Frühlingslied an, der Himmel färbt sich hellblau, von den Berggipfeln erreicht uns ein zartes Band, das wir lediglich spüren können. Die Berge, unerschrocken und mit einer Kraft protzend, die uns schüchtern macht. Unwiderstehlich sind die Berge, unfassbar groß und bedeutend. Sie sind eine Kraftquelle für den Menschen. Hier fühlt sich der Mensch frei, ist sein Blick, sein ganzes Gemüt dem Großen zugewandt. Das beeindruckt den Menschen. Hier, in Anbetracht der schieren Größe, der großen Dimensionen, richtet er seinen Blick in den weiten Himmel, hier wird er sich wohl am ehesten seiner Bedeutungslosigkeit bewusst. Es ist fast deprimierend, wenn uns gesagt wird, ein Menschenleben ist nur ein kleiner Gedankenstrich in der Ewigkeit. Wenn man des nachts die Sterne beobachtet, erinnert man sich, da man noch Kind gewesen ist und versucht hatte die Sterne zu zählen. Heute wissen wir, dass die Zahl weit über die Milliarden geht und dass es in anderen Galaxien, von denen es ebenfalls Milliarden gibt, genau so viele sind. Ich blicke zum Himmel empor, und es ist, als ob das Unfassbare mir etwas zuflüstert. Das zarte Band. Sein unbeschreibliches Wesen, Antimaterie, strahlt durch die Schönheit der Natur, die mich umgibt. Jeder Baum, jede Blume, jede sanfte Brise – sie erinnern mich daran, dass ich Teil von etwas Größerem bin. In diesem Bewusstsein fühle ich mich beschenkt, nicht nur mit meinem Dasein, sondern auch mit den unzähligen Wundern, die mich umgeben. Die Farbenvielfalt, das helle Licht, die grünsaftigen Wiesen, das in blau- rot- gelb- rosa und weiß getauchte Holunderkraut, die üppige wuchernde Natur, in allen Farben gesprenkelt, gespeist von einer überbordenden Sonne, all das zieht mich in den Bann, ausgesetzt in einer wilden Natur, in einer ebenso wilden Berglandschaft, angefangen mit der größten Erhebung des ganzen Nationalparks, der ganze Landstriche dominiert, der Corno Grande, dessen Gletscher immer noch 25 Meter tief ist! Der Monte Aquila, wo die Steinadler kreisen, die Cima Casanova, der Camicia, der Monte Cefalone, von wo man den Intermesoli noch am besten und hautnah erfährt. Die Abruzzen sind eine Welt für sich. Kein anderer Nationalpark beherbergt mehr Pflanzen wie der Nationalpark Gran Sasso; mit 2463 registrierten Arten ist der Gran Sasso Nationalpark eines der Schutzgebiete mit der größten Pflanzenartenvielfalt in Europa. Für viele Bergwanderer stellt der Corno Grande mit seinen stolzen 2912 Meter ein relativ einfaches Ausflugsziel dar, auch wenn die Normalroute in einigen Teilen auch anspruchsvoll sein kann.

Highlights der Tour
- Campo Imperatore Hochebene
- Aufstieg zum Corno Grande (2912m)
- Aufstieg zum Monte Cefalone (2513m)
- Aufstieg zum Monte Scindarella (2233m)
- Aufstieg zum Monte M.S. Gregorio di Paganica (2076m)
- Übernachtung im Albergo Sextantio in Santo Stefano di Sessanio
- Wandern im Maone Tal
Tag 1: Albergo Sextantio

Unsere erste Nacht verbrachten wir in Albergo Sextantio, einer Unterkunft in Santo Stefano di Sessanio, einem befestigten mittelalterlichen Dorf im Nationalpark des Gran Sasso. Das Dorf liegt auf über 1250 Metern Höhe und hat eine faszinierende städtische Struktur aus dem Mittelalter. Die befestigte Umfassungsmauer ist immer noch gut erhalten und prägt das Bild der italienischen Landschaft. Trotz der Entvölkerung und Abwanderung der Bevölkerung sind einige Burgdörfer im Apennin-Gebirge noch immer durch die enge Verbindung zwischen Territorium und historischen Gebäuden geprägt.
Tag 2: Rifugio Racollo
Und dann waren wir mittendrin.. unsere Augen geblendet von der Schönheit, von der Weite, unsere Sinne in Aufruhr, unsere Herzen still vor Entzücken und Aufregung. Wir befanden uns inmitten des Campo Imperatore, ein beckenförmiges Hochplateau auf 2000 Meter Höhe, 15km lang und 5 km breit. Schiere Weite, soweit das Auge reicht. Auf immergrünen Wiesen mit einer fast schon provozierenden Weitsicht auf die umliegenden Berge, befanden wir uns also inmitten des Gran Sasso Nationalparks und begaben uns schnurstracks in Richtung des Corno Grande, der sich immerzu und nahezu vor unserem Auge auftat und dessen Details wir immer besser ausmachen konnten, solange wir uns ihm nur nährten. Wir erreichten das schön gelegene Rifugio Racollo und es tat gut meinen alten Freund, Dino, den Hüttenwirt des Racollo, wiederzusehen.

Tag 3: Rifugio Duca degli abruzzi

Heute lag vor uns eine lange und weite Wanderung, die auch die längste der gesamten Tour bedeutete. Unser erstes Etappenziel war der Aufstieg zum Monte M.S. Gerogio di Paganica auf 2076 Meter Höhe. Diesen erreichten wir nach einer zunächst langen Wanderung inmitten des Campo Imperatore, bevor wir den recht steilen Aufstieg angingen. Die Streckenführung war, wie es in diesen Gegenden üblich ist, nicht ganz auffindbar, aber wir hatten bestes Wetter und waren letztlich glücklich darüber, diesen schönen und unbekannten Berg erreicht zu haben. Wir blieben im weiteren Verlauf auf Höhe und bestiegen fast im Anschluss unseren zweiten Berg, die Scindarella, ein armseliges Kreuz schmückte sein Haupt. Ein Stein zeigte seine Höhe an, 2233 Meter. Ein armer Berg also, aber er gehörte ganz uns, denn bisher haben wir niemand getroffen, der ebenfalls auf unseren Wegen unterwegs war. Man muss an diesem Punkt sagen, dass die Abruzzen ganz schön leer sind, was in meinen Augen fast schon absurd erscheint, denn diese Gegenden sind von einem namenlosen Künstler erschaffen worden, der offensichtlich ganz darauf ausgerichtet war, hier etwas ganz besonderes zu erschaffen.
Tag 4: Rifugio Duca degli abruzzi
Weil der Monte Aquila bereits in der Früh ganz im Nebel gehüllt war und die Wolken heute aus dem Osten zu kommen schienen, entschieden wir uns den Monte Cefalone zu besteigen, der ganz frei war von Dunst und Nebel. Wir gingen mit unserem Tagesrucksack recht früh los und erreichten auch schon bald den Pass La Porcella, von wo wir nach einer weiteren Stunde am Fuße des Cefalone gelangten. Der letzte Aufstieg zum Cefalone ist mit ein bisschen Aufstieg verbunden, aber letztlich bedeutete dies keine größeren Schwierigkeiten. Oben angekommen ist es geradezu unheimlich, da sich der Corno ostseitig dem Wanderer geradezu auftut, so nah kommt er einem vor. Der Cefalone ist ein aussichtsreicher Berg, von wo man einfach alles sieht: den Corno Grande, den Intermesoli, mit seinen 2600 Metern, die Cima La Porcella, den Monte Aquila, auch wenn das rote Kreuz nicht mehr steht.. man hat auch eine super Sicht auf die Bergkette, die den Camicia und die Torre Casanova und Brancastello auftürmt, einer Bergkette, durch die der sogenannte Jahrhundertweg verläuft, den man aber nicht mit einer Gruppe gehen kann, da man weit über 10 Stunden für eine komplette Durchquerung benötigen würde. Dieses Detail nur am Rande, um auf die Dimension hinzudeuten, die uns diese Gegenden auftun.

Tag 5: Rifugio Duca degli abruzzi

Aufstieg zum Corno Grande! Auch wenn wir ihn letztlich nicht besteigen konnten, aufgrund von Hartschnee und Eis ab ca. 2600 Metern, erlaubte uns dieser Umstand die Westroute zu machen, die durch eine Art Blockgelände geht und dessen Streckenführung uns auf fast 2800 Metern Höhe brachte. Diese Streckenführung ist nicht die Normalroute, aber unter den gegebenen Umständen stellte sie noch die bessere und vor allem sichere Wahl dar. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht diese abenteuerliche Route zu nehmen. Wir hätten es bestimmt bis ganz nach oben geschafft, aber es kamen Wolken auf und die letzten 100 Meter sind die schwierigsten und es oblag meiner Pflicht dieses Unterfangen an diesem Punkt, um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten, abzubrechen. Leider hatte es im Mai noch viel geschneit, und von daher ist noch viel Schnee liegen geblieben. Trotzdem war es ein abenteuerlicher Ritt in das Herz des Corno Grande.
Tag 6: Hotel Antica Locanda, Pietracamela
Letzter Tag und Aufbruch in das Maone Tal. Eine interessante Streckenführung, die nochmals vieles von uns abverlangte, denn wir hatten zunächst einmal viel abzusteigen und zum zweiten bedeutete auch dieser Tag nochmals eine lange Streckenführung. Mein Dank geht an einen besonderen Teilnehmer, dem Josef, der trotz seines fortgeschrittenen Alters nie seinen Humor verloren hat. Er hat in einigen Momenten kämpfen müssen, aber er hat sich nie beschwert und das rechne ich ihm hoch an. Teilnehmer, die um die Mühen in den Bergen wissen, sind mir fast wie Seelenverwandte. Mein Dank geht auch an Hildegard, auch sie immer gut gelaunt und offen für persönliche Gespräche, die uns alle zusammenführte. Thomas, der letzte Samurai, mein Weggefährte aus vergangenen Touren, ist mir wie ein treuer Freund, der nun schon einige Touren mit mir und Alpinblau Touren gemacht hat. Ohne dich und ohne die vielen anderen, die mich und Alpinblau schätzen, würde es Alpinblau Touren nicht geben. Danke, mein Freund!


Diese wirklich schöne Tour wird auch im kommenden Jahr angeboten! Sie wird mit einer leicht veränderten Streckenführung angeboten, da nach getaner Arbeit ich gesehen habe, wie ich die Tour dynamischer und intelligenter gestalten könnte. Seid also gespannt!