Sternwandern im Naturpark des Gran Sasso in den Abruzzen (Mittelitalien), mit Besteigung seines höchsten Gipfels, des Corno Grande (2912m), der ganze Landstriche dominiert. Wer den Gran Sasso-Nationalpark im Herzen der Abruzzen durchstreift, wird womöglich als anderer Mensch wieder zurück kommen. Eine lebendige Landschaft, geprägt durch interessante Karstformationen, die berührt, verzaubert und begeistert.
Tourenplan
Tag 1 – Antica Locanda, Pietracamela
Wir treffen uns um 8.30 Uhr vor dem Eingang des Best Western Hotel Royal Santina am Hauptbahnhof Termini in Rom. Mit Privatbus geht es in die Region Abruzzen. Unser Ziel ist Prato di Selva in der Provinz Teramo, das sich auf einer Höhe von 1400m befindet. Eingebettet am Fuße der Wälder des Monte Corvo ist es sowohl als ehemaliger Skiort als auch als Zentrum für Sommersportarten im Freien bekannt. Das Gebiet liegt am Fuße des Osthangs des Monte Corvo und wird auch Colle del vento (Windhügel) genannt, aufgrund der mäßigen Windstärke in der Gegend. Die Wanderstrecke von Prato Selva nach Pietracamela nutzt im Kern ein Teilstück des berühmten Weitwanderwegs Sentiero Italia. Es handelt sich um eine mittelschwere bis anspruchsvolle Wanderung mit spektakulären Ausblicken auf das Massiv des Monte Corvo.
Höhenunterschied: bergauf 360m, bergab 710m, 12 km
Tag 2 – Ostello dello zio, Campo Imperatore
Eine recht lange Etappe mit fast ausschließlich Steigung, die uns einen langsamen und fürwahr wunderschönen Einstieg in den Nationalpark ermöglicht. Von Pietracamela geht es auf direktem Weg in den Wald von Pietracamela. Die ersten 2 Stunden laufen wir schattig durch einen üppigen Buchenwald. Wir befinden uns im Maone Tal, unberührt und zugewachsen, der den Corno piccolo (2655m) vom Pizzo d‘Intermesoli (2632m) trennt. Wir erreichen den Talgrund der beiden Berge und fortan zeigt sich der Intermesoli von seiner schönsten Seite. Um uns herum eine Blütenpracht, wie sie seinesgleichen sucht! Alles blüht in den verschiedensten Farben, von Rot bis Gelb, grüne Wiesen, schimmernd blau der Frühlingsenzian, stark blau der Dinarische Enzian, violettes und rosa Knabenkraut, gelbes Sonnenröschen, weißes Baldo-Windröschen.. Sodann erreichen wir das Rifugio Garibaldi, welches aber keinen Hüttenwirt hat, da es dort weder Wasser noch Strom gibt. Spätestens ab diesem Moment sehen wir das majestätisch gelegene Rifugio Duca degli abruzzi, welches wir nach einer weiteren Stunde erreichen werden. Wir befinden uns auf 2400 Meter. Dort machen wir unsere Mittagsrast, da es sich einfach anbietet. Zu unserer linken der Monte Aquila mit 2499m, der Corno Grande mit 2912m zu unserer Rechten, der Monte Cefalone mit 2532m, der Monte Corvo mit 2574m, der Monte d‘Intermesoli mit 2633m.. Ein wahres Glück hier zu sein. Wir steigen ab und erreichen das Ostello dello zio nach einer weiteren halben Stunde.
Höhenunterschied: bergauf 1350m, bergab 350m, 15 km
Tag 3 – Monte Aquila
Tagesetappe ohne Rucksack, da wir insgesamt drei Nächte im Ostello dello zio übernachten. Wir begeben uns in die Ebene der Fontari und erreichen nach ca. einer Stunde im leichten Auf- und Abstieg den Vado di Corno, von wo wir die Besteigung des Monte Aquila (2494m) beginnen. Der Monte Aquila ist ein toller Berg, um sich ohne große Mühe einen Überblick über das Gran Sasso-Gebiet und die Hochebene des Campo Imperatore zu verschaffen. Wir werden mit einer wunderschönen Streckenführung belohnt, vor allem haben wir einen sehr guten Blick auf die Südseite des Corno Grande, der größten Erhebung des Gran Sasso Nationalparks.
Alternativ besteigen wir den Monte Cefalone, der ebenfalls ein aussichtsreicher Berg ist.
Höhenunterschied: bergauf 680m, bergab 670m, 11km
Tag 4 – Corno Grande (2912m)
Er ist der Traum vieler italienischer Bergsteiger – der höchste Gipfel im Gran Sasso-Gebiet, der höchste Gipfel der Abruzzen, der höchste im Apennin und somit höchster Punkt auf italienischem Festland abseits der Alpen. Doch diese Superlative sind nicht der einzige Grund, warum der Berg so begehrt ist. Die Tour führt über einzigartig schöne und wilde Landschaft. Wir gehen die einzig mögliche Route, über den Westgrat, alles andere ist erfahrenen Bergsteigern vorbehalten. Von unserer Unterkunft geht es zunächst angenehm auf- und nordwärts in die Sella di Monte Aquila (2335 m); dort entscheiden wir uns, wie gesagt, für die Normalroute, die in einem weiten Rechtsbogen über steile Schutt- und Schrofen zum Westgrat und über diesen im felsigen Gelände zum Gipfelkreuz zieht. Die Streckenführung ist alles zusammen genommen mittelschwer, vor allem in Gipfelnähe wird der Weg verschachtelter und technischer, aber die Mühe lohnt sich, sobald man auf dem Dach des Apennins steht.
Höhenunterschied: bergauf 640m, bergab 640m, 9km
Tag 5 – Rifugio Racollo
An unserem fünften Tag geht es zunächst in die Ebene des Campo Imperatore, von wo wir bis zu einem Abzweig hinaufsteigen, der uns zum Monte Scindarella führt. Im weiteren Verlauf führt uns dieser aussichtsreiche Weg über einen langen Bergkamm, der schließlich zum Monte Gregorio di Paganica (2076m) führt. Umgeben von einer unwirklichen Stille betrachten wir die beeindruckend nordwärts abfallende Flanke der Bergbrüder Torri di Casanova. Diese bilden zusammen mit dem Monte Camicia und Monte Infornace den sogenannten Jahrhundertweg, der bereits im Jahre 1976 inauguriert wurde und seitdem das Ziel vieler bergbegeisterter Bergwanderer ist. Ab diesem Punkt steigen wir in die Ebene der Paganica ab. Wir befinden uns nun inmitten des Campo Imperatore, einer 80 km2 großen, 15 km langen und 5 km breiten Ebene, die dem Wanderer das Gefühl geben, nur ein winziges und unwichtiges Etwas zu sein. Nach einer weiteren Stunde erreichen wir schließlich das Rifugio Racollo.
Höhenunterschied: bergauf 170m, bergab 970m, 15km
Tag 6 – Albergo Diffuso, Rocca Calascio
Unser letzter Wandertag führt uns zu einem faszinierenden Ort, den die Einheimischen Passo del Lupo nennen. Ein spannendes Ziel erwartet uns: Der Bergort Rocca Calascio, der nach einem langen Dornröschenschlaf eine beeindruckende Renaissance erlebt hat. Es leben heute 3 Personen in dieser kleinen Gemeinde. Zunächst begeben wir uns auf den berühmten „sentiero d’Italia“. Doch schon bald verlassen wir diesen Hauptweg und nehmen einen weniger markierten Pfad, der uns in einer malerischen Schleife im Uhrzeigersinn führt. Vorbei am Monte Cappellone und Monte Cecco d’Antonio erreichen wir schließlich den Monte Mesola, der sich majestätisch auf 1700 Meter erhebt. Hier, in dieser unberührten Natur, fühlen wir uns für einen Moment allein in der Welt. Die schmalen, kaum begangenen Wege vermitteln uns das Gefühl, durch alte Landschaften zu wandern, die seit langem in Vergessenheit geraten sind. Es ist ein wahrer Genuss für die Sinne, in solch einer Umgebung zu verweilen. Der Herzschlag wird leichter, während die Stille und Kraft dieser Region uns umhüllt. Die Schönheit zeigt sich in einem langsamen, nahezu meditativen Rhythmus, der tief ins Bewusstsein eindringt. Vom Fuß des Monte Mesola steigen wir wieder ab und gelangen nach einer weiteren Stunde nach Santo Stefano di Sessanio. Dieser magische Ort, ein Traumziel für Wanderer und Liebhaber der natürlichen Schönheit, lädt uns zu einer wohlverdienten Mittagspause im Restaurant ‚La Zeppa Mangia e Bevi‘ ein. Hier schmecken die Speisen nicht nur außergewöhnlich gut, sie sind auch ein Fest der Sinne, das die Seele nährt. Unser letzter Aufstieg führt uns zur Rocca Calascio, einer über 1000 Jahre alten Burganlage, die sich direkt nach dem Corno Grande als das Wahrzeichen des Nationalparks etabliert hat. Mit einer Höhe von 1.460 Metern ist sie die höchstgelegene Burganlage des gesamten Apennins und thront eindrucksvoll über der Landschaft. Der Blick von hier oben ist überwältigend und lässt uns die mühsame Wanderung schnell vergessen. Ein perfekter Abschluss für einen Tag voller Erlebnisse und Entdeckungen in den Abruzzen.
Höhenunterschied: bergauf 460m, bergab 740m, 16,5km
Tag 7 – Rückreise
Wir Mit Privatbus zurück nach Rom.
Dauer: 7 Tage / Gesamtstrecke: 74 km / Höhenunterschied: 3660 m im Aufstieg und 3880 m im Abstieg