Nationalpark Pollino

Kalabrien. Halb Hölle und halb Himmel. Land der Geheimnisse und schwarzen Schatten, Schatztruhe voller Kostbarkeiten. Landschaften von unvergleichlicher Schönheit; unfassbar fern von der Realität und bedrückt von dem Glauben, dass es sein Schicksal, von dunklen Vorzeichen geprägt, nicht ändern kann.


Meine Erkundungen im Nationalpark des Pollino von Kalabrien gehen voran. Die Tage hier sind meist klar und von der Sonne verwöhnt, man kann daher noch Bergtouren machen. In diesen Gegenden herrscht ein milder Winter, die Temperaturen sind angenehm und vor allem ist es das Licht, wie ein Flammenmeer, das herausfordert und einem viele Möglichkeiten bietet. Mittlerweile mit Schnee bedeckt sind die Berge La Mula, Cozzo del Pellegrino, Montalto, Monte Pollino und Serra Dolce dorme und viele ihrer hochstehenden Schwestern und Brüder. Alle in ewiger Gleichgültigkeit empfangen sie den Wechsel der Jahreszeiten. Ich war kürzlich auf der Serra del Prete, 2181m, einer der aussichtsreichsten Gipfel des Pollino Nationalparks, der einen weiten Blick auf das Massiv beschert. Diese Gegenden hier sind einsam, fast keine anderen Wanderer unterwegs. Und dies liegt nicht nur daran, da wir uns bereits im Ende von November befinden. Den Menschen hier bedeuten ihre Berge nicht viel. Dies soll nicht abwertend klingen. Sie sind die namenlosen Riesen, die die Felder beschützen. Die Menschen sind seit eh und je Arbeiter, Feldarbeiter, die ihr Land bearbeiten, im Sommer, wie im Winter. Es sind einfache Leute, die keinerlei Gedanken an eine Bergbesteigung haben, da die Berge ihnen nichts zu essen geben. Die Menschen entspringen noch einer archaischen Kultur, haben ein starkes Fundament und ein ebenso starkes Familienbewusstsein; kümmern sich untereinander, helfen einander, teilen ihren Besitz, teilen ihre schwer erarbeiteten Vorräte mit den anderen. Aber du musst ihr Vertrauen gewinnen. Sie sind sehr misstrauisch und können dich verletzen, wenn du ihnen schlecht gesinnt bist.

Die Magie des Monte Pollino entdecken

Monte Pollino zieht zahlreiche Wanderer und Naturliebhaber an, die die Geheimnisse dieser Region erkunden möchten. Die atemberaubende Aussicht vom Gipfel ist ein Erlebnis, das man nicht verpassen sollte.

Kalabrien, das Land der schweren Abenteuer, der schwarzen Magie, ist das Land der Magna Grecia, auf das die meisten hier sehr stolz sind. Kalabrien, du weinst und doch wischst du dir die Tränen weg, ohne dass es jemand sieht. Du bist voller Geheimnisse, ein gutes Land, aber voller Wehmut und Trauer. Hier sind die Menschen gebeutelt und verzerrt, aber voller Stolz, voller Geheimnisse und Geschichten. Sie sind in meinen Augen bewundernswert, weil sie allein zurechtkommen. In allen Dingen sind sie sehr praktisch und können mit einer einmal gefassten Idee Großes vollbringen. Besucher des Nationalparks Pollino stellen oft fest, dass Monte Pollino ein Ort der Ruhe und der Besinnung ist. Die Natur hier ist so rein und unberührt, dass sie eine spirituelle Erfahrung bieten kann. Monte Pollino ist nicht nur ein Gipfel, sondern ein Symbol für die unberührte Natur und die Geheimnisse, die dieser Nationalpark birgt. Es ist ein Ort, an dem die Schönheit der Landschaft und die Magie der Traditionen zusammentreffen. Die Geschichten, die die Einheimischen über Monte Pollino erzählen, sind ebenso faszinierend wie die Landschaft selbst. Dieser Berg ist nicht nur ein geografischer Punkt, sondern ein Teil ihrer Identität. Die Flora und Fauna rund um Monte Pollino sind vielfältig und einzigartig. Hier kann man seltene Tierarten beobachten und die wunderschöne Landschaft genießen, die diesen Ort so besonders macht.

Kalabrien, das vergessene Land, das traurige Paradies. Niemand spricht über dich und doch bist du die Schönste im ganzen Land. Dein Sinn für die Wahrheit ist sarkastisch und verletzend, du kannst nicht vertrauen, du hast Angst, viel Unheil musstest du über dich ergehen lassen. Doch tief in dir erinnert sich dein Herz daran, von welcher Art du gemacht bist. Deine Freizügigkeit kennt keine Dimensionen, deine Liebe zu deiner Familie ist überwältigend. In dir tobt Himmel und Erde, vieles hat man dir genommen, vieles musstest du dir zurückholen, viel hast du verloren, aber du hast dich nie aufgegeben. Du liebst dein Land und weißt es nur nicht. Man wirft dir vor unmenschlich zu sein, weil du das Land der ‚Ndrangheta bist, weil du so ganz anders bist als noch der Rest Italiens. Du sprichst eine Abwandlung des Griechischen. Du bist nicht Italien, du bist Kalabrien, das Land der schroffen Berge, der altmodischen Dörfer und der sonnenverwöhnten Felder.

Im Kern deines Inneren bist du friedlich. Du bist ein Kind, friedfertig und großzügig. Ich liebe dich für deinen Glauben an dich selbst, für deinen Mut immer an sich zu glauben. Deine Stärke hast du aus deinen Niederlagen geschöpft, deinen Mut aus der Verzweiflung, deine Ausdauer aus deiner nicht endenden Arbeit. Meine Achtung, mein Respekt an dich, Kalabrien, mit deinen unermüdlichen Kreaturen, die in meinen Augen determiniert sind, wenn ihnen eine Idee im Kopf herumschwirrt, die alles selbst in die Hand nehmen. Man hat dich vergessen und nur die wenigen wissen um deine Schönheit, die schlichtweg verzaubert, betört und einen schwindelig machen lässt, dein Antlitz ist das Licht der Sonne auf deinen Feldern, deine Augen sind die tanzenden Sonnenstrahlen auf dem Tyrrhenischen Meer und dein Herz das der Loricato-Kiefern im Pollino Nationalpark, groß, schwermütig, melancholisch, stark, bestimmt, determiniert, weich. Denn es gab eine Zeit, da sich tapfere Krieger nach der Schlacht in die Berge zurückzogen, um die Wolken zu bewachen. Dann in Bäume verwandelt, wählten sie mutig im Stehen zu sterben und so blieben sie für immer unter den Lebenden.

So wie deine Schönheit in den Geschichtsbüchern zu lesen ist, die keiner mehr liest, weil man dich vergessen hat, ist da noch der Schmerz, diese göttliche Loslösung, diese Transzendenz, so präsent, wie die Sonne und der Himmel. Alle Bindungen, jede Verbindung zur Erde, zum Himmelsgewölbe, zur Sonne, dein Blick gen Okzident, die Sehnsucht, das Meer, eine alles umarmende Mutter. Deine Tendenz zur Gewalt, zum Hass, zum Groll, aber auch deine schier unbändige Neigung zur Liebe, zur Harmonie, zur Realität faszinieren mich.

Auf Tuchfühlung mit den schroffen Bergen, spüre ich das Vorbeiziehen des Windes, dieses Lauschen in der Luft, dieses Schweben anderer Präsenzen. Ich höre Ohren und Augen um mich herum, Figuren, Musik, das Rascheln von Blättern, ich spüre einen vor Vorhängen verschlossenen Himmel. Ich schwebe. Ich stehe auf. Ich gehe hoch hinauf. Ich laufe. Ich jage alles um mich herum. Ich bin besessen. Schwindelerregender Aufstieg.



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