Bergamasker Alpen (9/2024)

25.8. – 31.8.24

Wie stellt man es an, über eine Tour einen Blog zu schreiben, wenn die Ideen noch in ihren Kinderschuhen stecken? Einfach loslegen. Einfach schreiben. So einfach es auch klingen mag, aber wie ein Schreiber, der endlich seinen Roman beginnen möchte, hat auch der Blogschreiber seine Anfangsschwierigkeiten.

Und dann beginnt man einfach zu schreiben und versucht es mit einer Einleitung, um eben einen Beginn zu schaffen. Dabei geht es doch lediglich um einen Bericht – einen Bericht über eine Tour zu schreiben, die mir so ganz am Herzen liegt.

Fangen wir also von vorne an: Ich, Alpinblau Touren, begab mich zum ersten Mal in die sogenannten Bergamasker Alpen. Da hatte ich noch gar nicht gewusst, wo genau diese Alpenkette lag. Ich habe von einer Freundin über diese Gebirgskette erfahren, die selbst dort unterwegs gewesen ist und mir, ich erinnere mich noch genau, an einem regnerischen Tag von ihren Abenteuern erzählte.

Sie war so ganz aufgebracht in ihren Erzählungen und in ihren Augen sah ich alsbald das Licht der Freude aufblitzen. Aber dann schien sie so ganz versunken in ihren Ausführungen, fast schon wehmütig und traurig, und ich musste ihr die Schulter greifen, damit sie sich nicht verliert.

Es schien, als ob ich sie wieder ins Hier und Jetzt zurückgebracht hatte, denn fortan kehrte die Euphorie wieder zurück und ihr Blick war wieder scharfsinnig geworden. Euphorisch sprühte das elektrisierende Flackern ihrer Augen in alle Richtungen aus, und ihr Gemüt schien sich regelrecht aufzurütteln.

Alsbald schien sie sich wieder ganz zu vergessen. Sie war alleine zurückgeblieben in ihrer Welt aus Träumen und Sehnsüchten. Aber sie schloss mich trotzdem ein in ihrem Kreis aus Licht, Seen und Berge.

Sie vollzog den letzten Akt ihrer Ausführungen über die Bergamasker Alpen mit einem Purzelbaum, der sie in die Mitte des Raumes führte, wo sie mit erhobenen Armen und mit weinendem Blick in die Tiefen ihres Daseins zu blicken schien. Da verstand ich, dass sie ganz eingenommen war.

Ich ließ sie alleine in ihrer Welt aus Erinnerungen an die abenteuerliche Bergwelt, die ich nunmehr aus ihren Erzählungen kannte, und machte mir nichts vor: Ich musste ebenfalls dorthin, um zu schauen, ob ihre Erzählungen der Wahrheit entsprachen und ob sie mein Gemüt ebenfalls so in Wallung bringen konnten, wie ihres.

Mein Herz war damals voll von Abenteuerlust und vor allem frei war ich. Frei wie ein Vogel, frei wie das zauberische Tier, das intuitiv lebt. Da fragte ich mich insgeheim: Wer sind die Bergamasker Alpen und wo zum Teufel befinden sich diese von einem namenlosen Künstler geschaffenen Gebirge?

In der Lombardei. In jener Region, wo keiner Berge erwartet. Oberhalb von Bergamo, der Stadt der ‚La Dea‘, der Stadt der Tausend, eine Anerkennung, die an die Verdienste von 179 Bergamasker erinnert, die an der heroischen Tat von Giuseppe Garibaldi während des italienischen Risorgimento teilgenommen haben.

Bergamo, dessen ursprünglicher Name Bergheim war, und dessen Berge mit der Stadt durch eine Beziehung bedingungsloser Liebe verbunden sind, wo der Begriff Berge gleichbedeutend mit Anstrengung, Opferbereitschaft und Glauben verbunden ist.

Die Bergamasker Alpen, das Erbe und der Stolz der Provinz Bergamo, aber auch Lecco, Sondrio und Brescia, ziehen sich etwa achtzig Kilometer von West nach Ost, eingeschlossen zwischen dem Lago di Como und dem Lago d’Iseo, geschmückt mit herrlichen Gipfeln, Gebirgskämmen, Tälern, Wäldern und Weiden von eindrucksvoller Schönheit.

Das Gebiet der Orobie-Alpen (italienischer Begriff für die Bergamasker Alpen) ist eine grüne Lunge mit malerischen Dörfern, unberührter Natur und ein naturalistisches Juwel.

Wenn wir all dies sublimieren wollen, kommen wir nicht umhin, uns dem Bergsteigen und seinen Geschichten, seinen größten Männern zuzuwenden.

Das bedeutet, in einer bereits starken und hartnäckigen Bevölkerung wie der von Bergamo nach den unzerstörbaren Speerspitzen zu suchen, jenen Männern und Frauen, die jedes Mal, wenn sie einen Gipfel erklimmen, ihr Herz über das Hindernis hinauswerfen. Um nur einige zu erwähnen: Mario Curnis, der noch mit 66 Jahren den Everest bestiegen ist; Simone Moro, Rosa Morotti, Ivo Ferrari, Tito Arosio und natürlich Walter Bonatti, Bildreporter, Autor, bemerkenswerter Alpinist und einer der begabtesten Bergsteiger aller Zeiten.

Die Zahl seiner Erstbesteigungen ist im Übrigen bemerkenswert.

Meine Erinnerungen an meine erste Tour in diesen Gegenden kann ich mit Worten nicht so recht beschreiben. Es war alles so magisch, so anders, so eindrucksvoll.

Die Bergamasker Alpen haben weite Täler, man schaut in die Weite, ganz weit hinaus, wo das Licht sich bricht und das sich realisierende Farbenspiel einem die Augen verbrennen. Die Berge sind in alpinbau getaucht, sie wirken wie stumme Giganten, aus einer alten Zeit; einst waren sie die Überbringer der Zeit, als die Menschen noch eine entfernte Vergangenheit waren und die Tiere noch im Wasser lebten.

Heute sind sie die Überlebenden, auch wenn sie unkenntlich und entstellt sind und nicht mehr ihrem Antlitz von einst ähneln. Sie überbringen immer noch die Zeit, aber nur jene, die Unendlichkeit in sich tragen, wissen sich zu bewähren.

Denn die Tage hier sind lang – und zeitlos ist der Himmel, der vom Regen anschwillt. Verschließt nicht eure Augen, denn nur so seht ihr die Sterne. Auch die Nacht ist lang, zeitlos, unendlich.


Highlights der Tour

Entdeckung der verborgenen Schätze der Bergamasker Alpen

  • Aufstieg zum Pizzo Tre Signori (2554m)
  • Aufstieg zum Zucco del Corvo (1976m)
  • Rifugio FALC
  • Lago di Trona (1802m)
  • Bocchetta di Val Pianella
  • Laghi di Ponteranica (2109m)
  • Passo San Marco (1992m)
  • Passo di Tartano (2102m)
  • Laghi Porcile di sopra (2093m)
  • Wolfspass (2316m)
  • Lago Moro (2225m)
  • Hotel des Alpes, Foppolo

Tag 1: Zur Morgengöttin mit rosenroten Knien

Mut zu eigener Größe

Tag 2: Des Lebens irdischer Glanz

Es ist nicht wichtig, ob das, was ich tue, gelingt – ich bin unterwegs. Das alleine zählt.

Tag 3: Des Urubambas reißendes Silber

Der blaue Berg ist der Vater der weißen Wolke. Die weiße Wolke ist der Sohn des blauen Berges. Den ganzen Tag bedingen sie sich gegenseitig, ohne voneinander abhängig zu sein. Die weiße Wolke ist immer die weiße Wolke. Der blaue Berg ist immer der blaue Berg.

Tag 4: Die kampfgehärteten Blütengriffel peitschend

Allem wohnt ein Muster inne, das Teil unseres Universums ist. Es besitzt Symmetrie, Eleganz und Anmut. Dieses Muster lässt sich im Wechsel der Jahreszeiten entdecken, darin, wie der Sand über einen Dünenkamm webt, in den Zweigen eines Roseneibisch oder in der Anordnung seiner Blätter. Wir streben danach, dieses Muster in unserem persönlichen und gesellschaftlichen Leben nachzuahmen, wir suchen die Rhythmen, die Tänze, die Formen, die uns Trost spenden.

Tag 5: Der Menschheitsdämmerung hohes Riff

[..] denn der Mensch lebt in der Zeit, im Ablauf der Dinge – das zauberische Tier in der Gegenwart, in der Ewigkeit des Augenblicks.

Tag 6: Turmhaupt auf dem Haupt der Welt

Die Notwendigkeit der Freiheit: Eine Ausrede des Künstlers?

Tag 7: Aus der Himmelshöhe bis ans Zeitende

Nichts ist flüchtiger als die äußere Form, sie welkt und vergeht wie die Blumen des Feldes beim Anbruch des Herbstes.



Kommentare

  1. Es war die schönste Tour, auf die du mich je mitgenommen hast. Die Berge, die abwechslungsreichen Wege und Ausblicke, die Steinböcke und Murmeltiere, das Schwimmen in den eiskalten Bergseen, die so unterschiedlichen Rifugio, das herrliche Wetter – und geführt zu werden vom weltbesten „Bäschführer“! Danke für alles, Giuseppe💙

    1. Du bist ein schöner Mensch. Du bist einfach ein wunderschönes Wesen. Du bist schön und es spielt keine Rolle, dass die Welt es weiß; nur für jene spielt es eine Rolle, die es wissen, wie man dich ansieht. Du bist schön für die Emotionen, die du fühlst und die Hoffnung, die du erfindest. Du bist schön, wie eine hastig gepflückte Blume, wie ein unerwartetes Geschenk, wie ein gestohlener Blick, wie eine herzliche Umarmung. Auf bald, Juliane.

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